Backen für die Psyche

Ich komme ursprünglich aus einem kleinen Dorf im Osten Österreichs. Ich bin sehr behütet in einer tollen und großen Familie aufgewachsen, habe viele Cousins und Cousinen und liebe das Leben am Land. Ein ganz wichtiger Teil des Österreichischen Brauchtums ist nicht nur auf das Landleben im Osten beschränkt sondern zieht sich durch das ganze Land – die Liebe zum Backen und die Bedeutung von Mehlspeisen.

Balasn – eine burgenländische Spezialität. Wird bei uns eimal im Jahr gemacht und schmeckt deswegen nochaml so gut!


Der Österreicher an sich nascht gerne und am liebsten nascht er Selbstgemachtes. Man braucht nur in ein beliebiges Kaffeehaus in Wien gehen – die Vitrine ist voll von Torten und Schnitten. Die Sachertorte und Mozartkugeln sind weltberühmt. Und wer schon mal auf einer traditionell Seewinkler Hochzeit war, weiß: Backen ist Liebe.

Ein Teil der Mehlspeisen, die ich zu meiner Hochzeit von den Verwandten erhalten habe. Wir waren insgesamt nur 23 Personen, muss man dazu anmerken…


Auch ich liebe es zu backen. Als ich aufgewachsen bin, hat meine Mama am Wochenende immer gebacken. „Was Süßes zum Kaffee“ – das hab ich von ihr übernommen, mir ist das bis heute noch sehr wichtig. Am Sonntag eine Tante besuchen – man kann sich sicher sein, dass sie eine Mehlspeise im Kühlschrank hat. „Falls wer vorbeikommt“. Zur Sicherheit. Weil es zum guten Ton gehört. Und weil es ja auch gesellig ist, sich zu Kuchen und Kaffee zu treffen und über Gott und die Welt zu reden. Essen an sich ist ja etwas, dass die Generationen am Tisch zusammenbringt. „Was habt’s heut gekocht?“ war immer die Frage meiner Mama, wenn wir meine Oma besucht haben.
Kein Wunder also, dass Essen, Kochen und Backen für mich einen ganz besonderen Stellenwert hat.
Auch bei mir gibt’s eigentlich jeden Sonntag was Süßes. Entweder, weil Freunde oder Familie vorbeikommen. Oder einfach auch nur so, für den Liebsten und mich. Wenn was übrig bleibt, nehmen wir es halt am nächsten Tag in die Arbeit mit. Die Kollegen freut’s.

Brownie Guglhupf mit Erdbeer-Cheesecake Füllung


Backen hat für mich etwas beruhigendes. Ich kann dabei entspannen. Ich bin an sich kein wirklich geduldiger Mensch, in Gedanken bin ich immer schon bei der nächsten Aufgabe, was es mir nicht leicht macht, abzuschalten. Aber beim Backen – da geht’s. Langsam die Zutaten abwiegen und zusammenrühren. Warten, bis der Teig aufgegangen ist. Eine Stunde lang immer wieder im Backrohr kontrollieren, ob der Kuchen schon durch ist. Da fällt es mir überhaupt nicht schwer, mir Zeit zu nehmen. Geduld zu haben. Zu warten.

Back-Stillleben


Backen bedeutet für mich auch, anderen eine Freude zu machen. Wenn wir zum Essen eingeladen sind oder Freunde oder Familie besuchen – ich nehm immer einen Kuchen mit. Die Besuchten freuen sich – und mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, dass meine Kreation schmeckt. Wobei ich sagen muss – ich bin ein Nachbacker. Selber Kuchen zu erfinden ist nicht meine Stärke. Ich folge lieber einem vorgegebenen Rezept, nehme hier und da ein paar Adaptierungen vor – aber im Großen und Ganzen halte ich mich an die Vorgaben. So ist es mir lieber.

Himbeer Schoko Torte aus dem „Zuckerorgasmus“


Heute hat mich eine Freundin auf einen Artikel aufmerksam gemacht: „Psychologists explain the Benefits of Baking for Other People„. Im Grunde geht es darum, dass man uneigennützig ist und mit dem Gebackenen anderen Menschen eine Freude machen will. Einfach so. Ohne Hintergedanken. Ohne, dass für einen selbst dabei was rausspringt. Wenn man gerne für andere bäckt, senkt dass das Risiko für Depressionen. Man lebt im hier und jetzt, konzentriert sich auf den Vorgang und kann dadurch besser entspannen und abschalten, Stress wird gemindert, man hat das Gefühl, etwas gutes für sich und für andere getan zu haben.

Pfirsich-Thymian Torte – mit Thymian aus dem eigenen Garten!


Und genau darum geht’s. Backen ist Liebe. Backen ist Freude. Backen verbindet. Und durch Backen kann man sich mitteilen, wenn Worte das vielleicht nicht schaffen. Weil man jemandem etwas Süßes vorbeibringt, dem es grad nicht so gut geht. Weil man eine Torte zur Hochzeit bäckt um dem Brautpaar zu zeigen, wie sehr man sich mit ihnen freut. Oder einfach nur, um zusammen Zeit zu verbringen, während man die Naschereien verdrückt.

Meine Inspriationen für’s Backen hole ich mir gerne von meiner Familie – meine Tanten sind alle hervorragende Hobbybäckerinnen – sie haben das (so wie ich auch) im Blut, sind auch mit dem berühmten Sonntagskuchen aufgewachsen. Wir tauschen Rezepte aus. Oder ich such mir was aus dem Internet und am Liebsten aus meinem Lieblingsbackbuch „Zuckerorgasmus„. Nein, ich krieg kein Geld um das hier zu bewerben. Ich mag’s einfach. Die drei Schwestern, die hinter der Guerilla Bakery stehen, sind nämlich auch Hobbybäckerinnen, die die Liebe zu den Mehlspeisen quasi schon mit der Muttermilch eingesogen haben. Genauso wie ich. Obwohl Sie am anderen Ende von Österreich aufgewachsen sind. Und viele Rezepte treffen einfach meinen Geschmack. Viele Bilder in diesem Beitrag sind von Torten und Cookies und Kuchen, die ich aus dem Buch nachgebacken habe. Und sie haben alle wunderbar geschmeckt.

’s beste Backbuch! 


Und weil ja nicht nur das Backen für Glücksgefühle sorgt, sondern auch das anschließende Verspeisen, setz ich mich jetzt mit einem Kaffee auf meiner Terrasse in die Sonne. Ein eigener Garten macht nämlich auch sehr glücklich. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag.

Selbstgemachte Milchschnitte. Mahlzeit.


Alles Liebe
Michaela

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